Matera, in der Basilikata zwischen Höhlenwohnungen und Schluchten gelegen, übt eine zeitlose Anziehungskraft aus. Die Sassi, einst vergessen und heute UNESCO-Welterbe, bilden eine einzigartige Kulisse aus weichem Tuffstein, in der LGBTQ+-Reisende ein diskretes, kultiviertes Süditalien entdecken. Die Stadt setzt auf Gastfreundschaft, langsame Rhythmen und sorgfältig restaurierte Häuser, oft direkt in den Fels gehauen. Wer Ruhe, Authentizität und ein Gefühl der Zeitreise sucht, findet hier eine Etappe, die sich deutlich von den großen italienischen Metropolen abhebt.
Matera ist keine ausgesprochene Szene-Destination, sondern eine kulturelle Stadt, in der LGBTQ+-Gäste mit Selbstverständlichkeit aufgenommen werden. Viele Häuser werden von jungen Hoteliers geführt, die auf aufmerksame, vorurteilsfreie Gastfreundschaft setzen. Paare reisen entspannt, die Atmosphäre ist diskret, gepflegt und auf das Erlebnis der Sassi ausgerichtet.
Die Unterkünfte reichen von Höhlenhotels mit Steinwannen und Kaminen bis zu Boutique-Adressen in restaurierten Palazzi. Die Region Basilikata, traditionell und ländlich geprägt, lebt eine ruhige, respektvolle Form von Offenheit, die fern jeder Inszenierung funktioniert.
Das Herz Materas schlägt in den beiden Sassi-Vierteln Sasso Caveoso und Sasso Barisano, durchzogen von Treppen, Höhlenkirchen und versteckten Innenhöfen. Oben thront die Civita mit der Kathedrale aus dem 13. Jahrhundert. Bei Einbruch der Dämmerung leuchten die Tuffsteinfassaden in warmen Goldtönen, ein Moment, den viele Reisende auf den Aussichtsterrassen am Belvedere Luigi Guerricchio erleben.
Das Nachtleben ist intim statt laut. In den Bars rund um die Piazza Vittorio Veneto und entlang der Via delle Beccherie trifft man sich auf einen Amaro Lucano, einen lokalen Aglianico oder einen Aperitif mit Blick auf die Schlucht. Restaurants wie jene in den Höhlen des Sasso Caveoso servieren Cavatelli, Peperoni Cruschi und Brot aus Altamura.
Matera bietet ein dichtes Programm: die Felsenkirchen des Parco della Murgia Materana auf der gegenüberliegenden Seite der Gravina, die Casa Grotta di Vico Solitario, das MUSMA für zeitgenössische Skulptur und die Krypta des Originalsünders mit ihren byzantinischen Fresken. Die Stadt diente als Drehort zahlreicher Filme, von Pasolini bis zu jüngsten internationalen Produktionen.
Ausflüge führen nach Altamura, in die Weinberge des Vulture, an die Strände des Ionischen Meeres bei Metaponto oder ins benachbarte Apulien mit Alberobello und der Valle d'Itria. Wer mehrere Tage bleibt, nutzt Matera als ruhige Basis für eine entschleunigte Entdeckung Süditaliens.
Die beste Zeit liegt zwischen April und Juni sowie im September und Oktober, wenn die Temperaturen mild sind und das Licht die Sassi besonders schön zeichnet. Am 2. Juli feiert die Stadt die Festa della Bruna, ein eindrucksvolles religiöses Volksfest mit Reiterparade. Der Sommer bringt Hitze und mehr Besucher, der Winter dagegen eine fast verlassene, fotogene Stille mit nebligen Schluchten und beleuchteten Höhlen.